Post aus Brüssel, 01/2018

Herr Juncker im Schlafrock

Brüssel ist ja ganz anders. Die 19 Bezirke sind in Wahrheit Gemeinden mit eigenen Kompetenzen. Erst seit 1995 gibt es die „Region Brüssel Hauptstadt“, die Hauptstadt Belgiens ist aber nur eine der 19 Gemeinden – die Stadt Brüssel. Für die gelernte Wienerin ist der Alltag nicht immer einfach. Lange Jahre war etwa die Müllabfuhr nicht zentralisiert. Inzwischen ist das besser, aber ich muss jedes Jahr nachsehen, wann welcher Müll abgeholt wird. Denn das ändert sich, je nachdem, was die Gemeinde, in der ich wohne, will. Also: Montagabend weiße (Restmüll) und blaue (Plastik) Sackerln, Donnerstagabend weiße und gelbe (Papier). Wenn ich es abends vergesse, muss ich frühmorgens, im Schlafrock, noch schnell den Müll rausstellen. Neulich geht da ein Herr vorbei, der mir irgendwie bekannt vorkommt, und ich sage automatisch: „Guten Morgen“. Er grüßt freundlich zurück. Erst danach ist mir eingefallen, „da war ja der Herr Juncker!“; der Präsident der Europäischen Kommission, offenbar auf dem Weg zur Arbeit. Manchmal denke ich, dass Belgien wie eine kleine EU ist – mit vielen Sprachen und Traditionen, liebenswert und kompliziert. Ob der Herr Juncker das auch denkt?

*Manchmal schicke ich meinen Kolleginnen und Kollegen in Wien „Post aus Brüssel“. Diese kleine Kolumne ist zuerst im Mitgliedermagazin der Gewerkschaft der Gemeindebediensten, Ausgabe 01/2018, erschienen.

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