So geht soziales Europa – am besten vor Ort

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Besuch beim Arbeitersamariterbund

Wenn wir in diesem Wahlkampf immer sagen; „wir wollen ein soziales Europa“, dann sollten wir das erklären und mit Leben füllen. Besonders gut geht es, indem wir die vielen interessanten und wichtigen Organisationen und Einrichtungen, die es auf lokaler Ebene gibt, vor den Vorhang holen. Sehr viele engagierte Menschen arbeiten da für Menschen, denen es nicht so gut geht.

So durfte ich in den letzten Wochen das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien besuchen, bekam einen Einblick in die Arbeit des Jugendzentrums „Alte Trafik“, sah die tolle Arbeit der von Volkshilfe und Caritas am Yppenplatz und viele mehr.

Der Samariterbund: Hilfe von Mensch zu Mensch

leitstellekleinDer Samariterbund ist der größte Rettungs- und Krankentransport in Wien und leistet rund 300 angestellten und 300 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen eine Viertelmillion Fahrten im Jahr. Der Fuhrpark besteht aus 95 Wägen, von denen 75-80 täglich ausfahren (die anderen werden gereinigt, gewartet und repariert). Hier bin ich der Schaltzentrale des Samariterbunds, die direkt mit der Zentrale in der Wiener Rettung verbunden ist. So können immer die schnellsten Einsätze organisiert werden. Ganz schön anstrengend, so viele Bildschirme und Informationen gleichzeitig im Auge zu haben! Neben der eigentlichen Arbeit organisieren die MitarbeiterInnen auch 1. Hilfe-Kurse und sogar Schnupperkurse für kleine Kinder – toll! Ich wusste nicht, dass das geht, aber es funktioniert und den Kindern gefällt´s.

Leider notwendig: die Sozialmärktedaliklein-1

Sozialmärkte sind Märkte, die Menschen mit geringem Einkommen sehr günstige Waren des Alltags, v.a. Lebensmittel anbieten. Wer hier einkauft, hat wirklich sehr wenig Geld und muss das auch nachweisen. Und damit da kein Missverständnis aufkommt: das sind oft Menschen, die hart für ihre Familien arbeiten, aber dennoch zu wenig verdienen, um sich alles leisten zu können.

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf

Die wohl schrecklichste Vorstellung im Leben eines jeden Menschen ist, kein Dach über dem Kopf zu haben. Ohne Wohnung geht gar nichts: es gibt keine Bank ein Konto, keine Firma Arbeit. Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, leider. Viel hat mit Schulden, Sucht, Straffälligkeit zu tun. Besonders schlimm ist die „versteckte“ Obdachlosigkeit von Frauen, Zwar ist die Anzahl der Wohnungslosen Menschen in Wien schwierig zu ermitteln, aber es stehen immer 4800 Plätze, die der Fonds Soziales Wien aus dem Budget der Stadt finanziert, zur Verfügung, und etwa 400 Plätze, die nicht gefördert werden.

Helfen Sie, zu helfen

Damit Menschen wieder ein sicheres Obdach haben, gibt es Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, wie das „Haus Max Winter“ des Samariterbundes, das über 120 ehemals wohnungslosen Menschen ein sicheres Zuhause bietet. Die Zimmer sind mit allem Notwendigen ausgestattet, aber damit sich die BewohnerInnen netter einrichten können, sind Sachspenden sind erwünscht. Wie die Leiterin des Hauses Hermine Wahl, erklärt werden Kleinmöbel aller Art, wie Beistelltischchen, Lehnstühle, kleine Kästchen, Fernsehtischchen, Regale, Nachttischlampen, Stehlampen, aber auch Dinge für die Küche, Besteck, Gläser und alle möglichen Kochutensilien wie Mixer (für unser Weihnachtsbäckerei), Kochlöffeln, ev. Backformen, gerne angenommen. Auch über Bettwäsche und Badetücher freuen sich MitarbeiterInnen und BewohnerInnen.

Informationen dazu am besten bei hermine.wahl@samariterwien.at einholen.

Neue Wohnform: SeniorInnen-Wohngemeinschaft

freitagkauerkleinEhrlich jetzt: Jede und jeder fragt sich doch manchmal, vielleicht heimlich, vielleicht mit Verwandten und FreundInnen „Was wird sein, wenn ich einmal alt bin?“. Ein neues Wohnmodell sind da SeniorInnen-Wohngemeinschaften des Samariterbundes. In der Mühlgrundgasse in Wien-Donaustadt haben BewohnerInnen der Senioren-WG jede und jeder ein schönes Zimmer, die meisten mit Terrasse. Alles ist rollstuhlgerecht, und die BewohnerInnen teilen sich die Küche. Wie in jeder WG gibt es einen Plan, wer wann was besorgt. Und wie in jeder WG kann das auch zu, na, sagen wir einmal, Missverständnissen führen.

Ich darf einige BewohnerInnen besuchen und erfahre danach mit den beiden kompetenten BetreuerInnen bei Kaffee und Kuchen Alltagsanekdoten aus dem ungewöhnlichen Zusammenleben. „Na“, denke ich, „wie in jeder WG – es kommt schon sehr darauf an, welche Gruppe da zusammenkommt“. Das bestätigen mir Hermine Freitag, die Leiterin des Bereichs Betreuung, und Petra Hellmich von der Pflegedienstleitung. Die Wohneinheiten stehen Menschen mit leichter Pflegebedürftigkeit (Stufe 1-3) zur Verfügung und kosten, je nach Größe, zwischen rund 550 und 675 Euro im Monat.

Anerkennung der Pflege – ein Frauenberuf

Der Samariterbund verfügt in ganz Österreich über 22 Pflegeeinrichtungen, Wien ist der größte Standort. Rund 240 Mitarbeiterinnen kümmrn sich pro Jahr um rund 1000 Menschen. Die Arbeit ist hart, die Ansprüche von KundInnen und Angehörigen steigen. Die Anerkennung für den Beruf ist gering, es ist schwierig, Nachwuchs zu finden. Wir diskutieren, wie das geändert werden könnte. Immerhin ist ein frauendominierter Beruf, aber die Arbeitsbedingungen machen es schwierig – denken wir etwa an AlleinerzieherInnen. Eigentlich sollte der sozialwirtschaftliche Mehrwert der Pflege besser berücksichtigt werden, und dem Umstand, dass in diesem Beruf bereits 35 Stunden eigentlich 40 Stunden Arbeit bedeuten, Rechnung getragen werden. Eine Idee wäre, in diesen Bereichen, die so personalintensiv sind, über die Lohnsteuer – Wertschöpfungssteuer – nachzudenken.

Sidra – das heißt Gemeinschaft, Familie

Jedes Jahr flüchten tausende Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern aus Kriegs- oder Krisengebieten. Im Haus „Sidra“ des Samariterbundes, ellensohnkleinwohnen rund 30 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Sie besuchen Deutschkurse und gehen, sobald es geht, auch in die Schule. Viele sind durch ihre Fluchterlebnisse traumatisiert – kein Wunder, so kommen von so weit her: Afghanistan, Eritrea, Liberia, Somalia. Im Haus kochen sie gemeinsam mit den BetreuerInnen, von denen immer jemand rund um die Uhr da ist. Ich zeige bewusst keine Bilder der jungen Burschen, aber hier sehen Sie mich mit Christian Ellensohn, dem Hausleiter. Er erklärt mir, dass es in Österreich einen Verteilungsschlüssel für die Menschen, die zu uns kommen, auf alle Bundesländer gibt. Wien übererfüllt die Quote mit 40 Prozent. Offenbar ist in der Flüchtlingspolitik sowohl in Österreich als auch in der EU die Solidarität nicht das Leitmotiv.

Internationale Netzwerke

Der Samariterbund leistet ausgezeichnete Arbeit, in vielen Bereichen. Er lebt im Alltag und vor Ort das, was wir unter einem sozialen Europa verstehen. Damit das auch so bleibt, engagiert sich der Samariterbund in internationalen Verbänden, wie Samaritan International und Solidar. Beide sind wichtige Partner in der Bewegung, die für eine starke sozialpolitische Agenda in Europa arbeitet.

Im Gespräch mit ASBÖ-Bundesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller, Landesgeschäftsführer Mag. Oliver Löhlein und VertreterInnen der zahlreichen Einrichtungen des Samariterbundes haben wir die Bedeutung des internationalen Engagements genauso besprochen wie die Themen Armutsbekämpfung und Flüchtlingspolitik.

gruppe klein

Weiter so, Sie leisten großartige Arbeit – von Mensch zu Mensch. Beeindruckend und herzensbildend. Danke, dass ich Sie besuchen durfte.

PS: Hier gibt es noch das Video zum Besuch des ASBÖ-Wien.

Courtesy to Samariterbund Wien for the nice pictures.

 

 

 

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