Mythos 9: „Die wollen nur unser Geld“

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Eurobonds würden Spekulationen die  Basis entziehen

Populistinnen und Populisten strapazieren gerne das Bild des „Zahlmeisters“, der nun die Zeche der anderen blechen soll. Abgesehen davon, dass „die anderen“ häufig auch deutsche Banken sind, die sich in Südeuropa und Irland verspekuliert haben, wird häufig auch nicht dazugesagt, dass unsere Nettozahlerbeiträge mit Zinsenaufschlag wieder ins Land zurückkommen; so gesehen ist die heimische Wirtschaft Nettoprofiteur.

Verschwiegen wird auch, dass die Krise ganz konkrete Vorteile für die „Kernländer des Euroraums“ mit sich bringt. Konkret sind die Zinsen für unsere Staatsanleihen so niedrig wie nie zuvor, während die Zinsen der Krisenländer explodiert sind. Der Grund ist, dass die Anleger aus den Krisenländern in sichere Anleihen flüchten, und dafür bereit sind, auf Renditen zu verzichten. Zeitweise sind sie sogar bereit für diese Sicherheit zu zahlen, d.h. die Zinsen sind sogar negativ. Mehre Schätzungen kommen unabhängig voneinander auf etwa 70 bis 100 Milliarden Euro, die sich Deutschland bei seiner Schuldenfinanzierung (über die gesamte Laufzeit seiner Anleihen) durch die Krise erspart hat.

Grafik Mythos 9

Oft bekommt man zu hören, dass Gemeinschaftsanleihen (Eurobonds) die Schulden in Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit (AAA-Ländern) verteuerten und den Krisenländern keinen Anreiz zur Budgetdisziplin böten. Tatsächlich ist es theoretisch nicht von vornherein erwiesen, dass Gemeinschaftsanleihen tatsächlich für einige Länder teurer wären. Beispielsweise wäre durch das größere Angebot an Anleihen auch die Liquiditätsprämie niedriger, d.h. der Teil des Zinssatzes, den Investoren verlangen, weil sie Sorge haben, ihre Anleihen nicht überall und zu jeder Zeit auch wieder verkaufen zu können. Außerdem entziehen sie der Spekulation die Basis. Um Zugang zu gemeinschaftlicher Staatsfinanzierung zu erhalten, müsste freilich jedes Land strikte Auflagen zur Haushaltsdisziplin erfüllen. Eigentlich gibt es Gemeinschaftsanleihen ja schon in Form der Emissionen des Euro-Rettungsschirms und die Auflagen der Troika für Haushaltsdisziplin gelten ja nicht gerade als zu lax.

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