Mythos 8: „Finanzhilfe ist Konkursverschleppung“

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Finanzhilfen sind Kredite, keine Geschenke

Die Finanzhilfe wird oft als Geschenk der „reichen“ EU-Länder an die notleidenden Krisenstaaten missverstanden, deren Pleite damit nur verzögert, aber nicht verhindert werden kann. Allerdings handelt es sich bei den Finanzhilfen keineswegs um Geschenke, sondern um Kredite, die zurückgezahlt werden müssen.

Außerdem nutzen diese Kredite den Kreditgebern ebenso. So etwa wurden mit Krediten aus dem Rettungsschirm irischen und spanischen Banken geholfen, ihre ausstehenden Kredite und Anleihen bei anderen europäischen Banken zu bedienen. Wären diese Hilfskredite nicht erfolgt, hätten gerade deutsche, österreichische oder französischen Banken und AnlegerInnen viel Geld verloren und SteuerzahlerInnen aus diesen Ländern hätten ihrerseits mehr Hilfen an eigene Banken auszahlen müssen. Auch darf nicht vergessen werden, dass Länder wie Deutschland an der Krise verdienen, solange es zu keinem Zahlungsausfall kommt. Einerseits sind die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen so niedrig wie noch nie, was die Schuldenaufnahme extrem verbilligt. Andererseits sind die Zinsen für die Hilfskredite relativ hoch. Die Zinsdifferenz geht als Gewinn an die Kreditgeberländer.

Grafik Mythos 8

Ob die Krisenstaaten ihre Schulden zur Gänze bedienen können, hängt wesentlich von den Zinsen ab, die sie für ihre Kredite zahlen müssen. Je niedriger die Zinsen, umso wahrscheinlicher eine vollständige Rückzahlung. Je höher die Zinsen, desto wahrscheinlicher der Staatsbankrott. Die Zinsen spiegeln ihrerseits die Einschätzung der Marktteilnehmer wider, ob alle Schulden getilgt werden können. Je glaubwürdiger das Rückzahlungsversprechen, desto niedriger die Zinsen. Umgekehrt kann ein Verlust an Glaubwürdigkeit zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden, wenn explodierende Zinsen einem illiquiden Staatshaushalt in die Insolvenz treiben. Die Finanzhilfen und die damit verbundenen Reformen stärkendie Glaubwürdigkeit der Krisenstaaten auf den Finanzmärkten und erleichtern damit eine Tilgung ihrer Schulden. So kann etwa Irland nach zwei Jahren Finanzhilfen bereits wieder zu erträglichen Zinsen Anleihen begeben.

 

 

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