Ein kleines Juwel in der Leopoldstadt – Der Volkertmarkt

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„Der Bauch von Wien“

Die 21 Wiener Märkte sind der „Bauch von Wien“. Sie sind nicht nur lebendige Nahversorgungszellen, sondern v.a. auch Treffpunkt, Spielplatz und unsere ganz eigene wienerische Agora. Einige Märkte, wie der Naschmarkt, sind auch Touristenattraktionen. Aber viele Märkte sind ganz einfach der Lebensmittellieferant für die Menschen in den Grätzln. Vor kurzem besuchte ich einen der drei Leopoldstädter Märkte am Volkertplatz, der klein, aber fein ist und auf dem Menschen aus ganz Europa arbeiten. Den Markt gibt es übrigens schon ganz lange, 1878 gab es hier die ersten Stände. Und 2000 wurde er generalsaniert – er liegt im EU-Fördergebiet, von dem das ganze Viertel profitiert hat.

Die Menschen am Markt arbeiten viel und hart. Sie sind stolz auf das frische Obst und Gemüse und die vielen anderen Waren, die sie täglich vom Großgrünmarkt holen, damit wir das dann in unserer Nähe kaufen können. Sooo früh aufstehen jeden Tag – schrecklich, denke ich. Und trotzdem haben alle gute Laune und lassen mich ein bisl in das Leben am Markt hineinschnuppern. Hier helfe ich beim Kassieren. Zum Glück wird gut aufgepasst, dass ich mich nicht verzähle.

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Die Familie Dogo betreibt einen Gemüseladen und eine kleine Greißlerei.  Aber err Antun und Frau Finka verbreiten gute Laune und haben viele Freundinnen und Freunde. Gerade sind die Verwandten aus Sarajewo zu Besuch, denen es in Wien sehr gut gefällt.

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In der „Nelke“ einem der Lokale am Volkertmarkt, steht Sophia Schubert hinter der „Budl“ (für die Deutschen: der Theke). Sie verrät mir ihr geheimes Geheimrezept für einen köstlichen frischen Zitronensaft mit Honig und Minze („einfach alles nach Gefühl mischen“) – und zum ersten Mal in meinem Leben darf ich Bier zapfen. Gar nicht so leicht, v.a., wenn es schnell gehen muss. Dafür muss ich dann auch servieren, eh klar.

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Frau Sanela ist die Fischhändlerin hier. Eine beeindruckende, starke Frau. Sie schupft das Beisl und die Fische – und wenn die in ihrem Frischwasserbecken zappeln, braucht es ordentlich Kraft, um eine Dorade oder Brasse herauszuholen.

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Die örtliche Fleischhauerei besuche ich natürlich auch. Hier duftet es ganz herrlich und Frau Kovasevic und Herr Markic sind ganz wunderbare Menschen. Ich nehme ein paar von den selbstgemachten Cevapcici mit (Pst! Meine vegetarische Freundin darf das nicht wissen!).

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Als wir bei der Bäckerei mit den beeindruckendsten Torten vorbeikommen, muss ich hineinschauen und diese Kunstwerke bewundern. Frau Argvliani stammt aus Georgien und ist eigentlich studierte Apothekerin. Sie musste aus politischen Gründen flüchten und hat sich hier, mitten in Wien, eine neue Existenz aufgebaut. Ihre beiden tüchtigen Töchter studieren Wirtschaftsrecht und helfen der Mama im Geschäft. Eine tolle Familie! Als ich erzähle, dass ich gerne georgisch koche und nach dem Kashapourirezept frage, ist das Eis endgültig gebrochen und wir müssen uns hinsetzen und von den vielen köstlichen Kuchen probieren. Am Ende platzen wir fast und versprechen, bald wiederzukommen.

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Ein Besuch auf dem Volkertmarkt lohnt sich jedenfalls – kulinarisch und menschlich!

Danke an Toni Walzer, den engagierten Bezirksrat des Volkertviertels, und eine weitere Leopoldstädter Bezirksrätin, Astrid Rompolt für die Begleitung.

Courtesy to Harold Naaijer for the nice pictures.

 

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