Mythos 7: „Die Notenpresse verursacht Inflation“

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Inflation im EU-Schnitt bei 2 Prozent

Bringt die Zentralbank mehr Geld in Umlauf, führt das zu höheren Preisen, sofern in einer Volkswirtschaft alle Kapazitäten ausgelastet sind. Zwar hätten die Menschen mehr Geld in der Tasche, das sie – zumindest teilweise – für Konsumgüter wieder ausgeben wollen. Da es aber kurzfristig nicht mehr Güter zu kaufen gäbe, da die Wirtschaft ja wie angenommen schon am Limit produzieren würde, könnte sich die höhere Nachfrage nur in höheren Preisen niederschlagen.

Grafik Mythos 7

Allerdings trifft dieser vereinfachte Lehrbuchfall vollständiger Kapazitätsauslastung kaum auf eine der europäischen Volkswirtschaften zu. Im Gegenteil, in den allermeisten Staaten sind viele Ressourcen ungenutzt, allen voran Arbeitskräfte. In Spanien oder Griechenland liegt die Arbeitslosigkeit bereits bei 27%; in so einer Situation sind Inflationsängste völlig unbegründet. Solange im Bankensektor noch großes Misstrauen herrscht und die Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen eher spärlich läuft, sind Ausweitungen der Geldmenge nicht nachfragewirksam. Da Haushalte und Unternehmen kaum Kredite bekommen um Güter zu kaufen, können sie daher die Preise auch nicht beeinflussen.

Allerdings sollte man sich auch daran erinnern, dass die EZB ihre Geldpolitik auf den gesamten Euroraum abstellt und nicht nur auf einzelne (deutschsprachige) Länder. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Geldpolitik der EZB dazu geführt, dass die Inflation in Deutschland und Österreich sehr niedrig lag, während Länder wie Irland oder Spanien deutlich höhere Inflationsraten zu verzeichnen hatten; im Durchschnitt aber lag die Inflation nahe bei 2% (entspricht dem EZB-Ziel). Wenn nun in Zukunft Länder wie Portugal oder Italien preisliche Wettbewerbsfähigkeit gewinnen wollen, indem sie Löhne und Preise sehr schwach wachsen lassen (z.B. nur um 1%), dann muss die Inflation in anderen Ländern höher ausfallen, damit der Durchschnitt bei 2% bleibt. Allerdings stellen Inflationsraten von 3% für ein paar Jahre auch keine Katastrophe dar, in den wirtschaftlich nicht so üblen 1980er und 1990er Jahren war die Inflation im Schnitt höher.

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