400jährige Geschichte eines Spitals

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Besuch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder

Bald 400 Jahre „alt“ ist es, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Wiener Leopoldstadt. Aus dem Wiener Gesundheitssystem ist es nicht wegzudenken. Immerhin investiert die Stadt Wien einen Großteil ihres Budgets in die Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener – jeder vierte Euro geht in diesen Bereich – sei es in die elf städtischen Spitälern und acht Ordensspitäler. Ein Angebot, das sich sehen lassen kann. Ich durfte das Krankenhaus vor Kurzem besuchen und darf ich Ihnen her ein paar Eindrücke weitergeben.

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Empfangen hat mich die Kommunikationsverantwortliche, Frau Christa Praher-Ennöckl, die jede und jeden im Krankenhaus kennt. Sie war so nett und hat alle meine neugierigen Fragen bei einer Rundtour durch das älteste Spital Wien beantwortet. 1614 ließen sich die Barmherzigen Brüder in Wien nieder. Heute, 400 Jahre später, ist ihr Krankenhaus das älteste und größte Ordensspital Wiens. Es zählt 411 Betten, neun Fachabteilungen, zwei Institute und zwei Spezialambulanzen für Gehörlose und behinderte Menschen. 850 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz und betreuen jedes Jahr über 32.000 stationäre und etwa 130.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Es ist ein Lehrkrankenhaus und hat eine Pflegeakademie, eine Apotheke und – Ehrensache für ein Ordensspital – eine kleine. hübsch renovierte Kapelle. Im Leitbild des Krankenhauses ist übrigens verankert, dass es allen Menschen offen steht – auch dann, wenn die Krankenversicherung fehlt. Dafür sammeln sie auch Spenden – Infos dazu und zum Spital gibt es hier.

Wir beginnen unseren Rundgang in der Augentagesklinik. Eine Patientin und ein Patient warten auf die ärztliche Kontrolle. „Sehr bequem, die Stühle, so einen hätte ich auch gerne daheim,“ sagt die Dame. Als beide erfahren, dass ich aus Brüssel gekommen bin, um über die Europawahl zu infomieren, kommen wir gleich ins Gespräch. „Wir gehen sicher wählen am 25. Mai“, versichern sie. Und der Herr setzt nach: „eh die richtigen, die Roten.“

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Natürlich ist das Krankenhaus in den 400 Jahren gewachsen, An- und Umbauten machen daraus ein Labyrinth. Von den Anfängen im frühen 17. Jahrhundert bis heute ist es doch eine lange Zeit. Und heute ist es ein langer Weg durch die vielen Gänge, Treppenhäuser, Stationen. Zum Glück begleitet mich Frau Praher-Ennöckl, sonst hätte ich mich hoffnungslos verlaufen. Aber das Leitsystem ist gut, alles ist ausgeschildert.

KHBB historischWeiter geht es auf unserer Tour. Wir treffen viele Schwestern, die alle einen engagierten und kompetenten Eindruck machen. Und einige Patientinnen und Patienten, die genauso wie das Personal gerne bereit sind, ein wenig mit mir zu sprechen. Da ist die Onkologie, ein Raum für Kinder, ein Schlaflabor, weil es viele Menschen mit Schlafstörungen gibt. Und erschreckend viele junge Menschen sind dabei, erfahre ich. Da ist der alte Bruder, der lange im Krankenhaus gearbeitet hat und heute im hohen Alter betreut wird. Überall ist die Stimmung sehr liebevoll und fürsorglich.

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spomichaela16spomichaela07Fein, wie gerne alle hier über ihre Arbeit reden. Und es ist ja auch für mich interessant, einen Einblick in ein Krankenhaus von Innen zu erhalten.

Zwei Dinge haben mich besonders beeindruckt. Die allgemeine Ambulanz, die allen Menscnen offensteht, auch jenen ohne Krankenschein. Wenn die Sorgen zu arg drücken, kommen SozialarbeiterInnen dazu. Und die Gehörlosen-Ambulanz, da durfte ich eine tolle Ärztin kennenlernen. Sie war sehr stolz, dass jetzt endlich auch ein gehörloser Krankenpfleger aufgenommen werden kann. Und sie hat mir das GL-Zeichen für „Auf Wiedersehen“ beigebracht. Hoffentlich nicht als Patientin, aber auch da wäre ich hier und in jedem der Wiener Spitäler gut aufgehoben.

Danke und alles Gute zum 400. Geburtstag!

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Fotos (c) Harold Naaijer

 

 

 

 

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