Mythos 1: „Am besten einfach raus aus dem Euro“

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Wie angekündigt werde ich regelmäßig über die Mythen und Lügen der “Euro-Krise” berichten. Der erste Mythos, der dringend entkräftet werden muss lautet: „Am besten einfach raus aus dem Euro“.

Die fundamentale Kritik am Euro und an der Währungsunion lässt sich etwa folgendermaßen zusammenfassen: Während mit nationalen Währungen unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Staaten einfach durch Anpassung der Wechselkurse ausgeglichen werden könnten, müsste in Euroländer nun die gesamte Anpassungsleistung über Steuererhöhungen und Lohnsenkungen erfolgen. Da das viele Staaten überfordere, wären die anderen Euro-Mitglieder in einigen Fällen gezwungen, Finanzhilfen zu gewähren. Daher wäre, so der Mythos, die Wiedereinführung der Drachme oder der Lira für alle Beteiligten die beste und billigste Lösung.

Wie diese Wiedereinführung der nationalen Währungen technisch funktionieren soll, bleibt weitestgehend unklar. Sicher sein dürfte dagegen, dass die neuen Währungen sehr schnell an Wert verlieren werden. Um diesen Wertverlust ihrer Ersparnisse vorzubeugen, würden die AnlegerInnen ihr Geld aus dem Abwertungsland sofort abziehen und in stabilere Länder bringen. Diese Kapitalflucht würde die „Mutter aller Währungskrisen“ auslösen und die ohnehin schon angeschlagenen Länder in noch größeres Elend stürzen. Die Menschen in Deutschland und Österreich wähnen sich davon nicht betroffen, ihre Währung würde ja an Wert zulegen    … und damit die Absatzchancen ihrer eigenen Exportwirtschaft massiv verschlechtern. Steigende Arbeitslosigkeit in den neuen Hartwährungsländern wäre die Folge.

Auch wird geflissentlich übersehen, dass nicht nur die europäische Wirtschaft insgesamt, sondern gerade auch die europäischen Finanzmärkte im letzten Jahrzehnt stark zusammengewachsen sind. So haben etwa spanische und griechische Unternehmen und Haushalte Kredite in Euro u.a. bei deutschen und österreichischen Banken aufgenommen. Diese Schulden würden auch nach einem Austritt Spaniens oder Italiens aus der Währungsunion in Euro bestehen bleiben. Nach der Einführung und anschließenden Abwertung eigener Währungen würden diese Schulden gemessen in der Währung der Schuldnerländer an Wert zulegen und könnten nicht mehr bedient werden. Wenn diese Schuldnerländer aber Pleite gehen, hätten auch Banken in Wien oder Frankfurt erheblichen, evtl. existenzgefährdenden Abschreibungsbedarf.

Und neben diesen direkten Folgekosten der Renationalisierung der Währung wird oft vergessen, dass in der Zeit vor dem Euro in Europa immer wieder Währungskrisen stattgefunden haben, bei denen viel Vermögen vernichtet wurde. Ein Euroaustritt ist also weder für die aktuellen Krisenländer noch für stabile Länder wie Deutschland oder Österreich die „beste“ und „einfachste“ Lösung. Im Gegenteil!

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